Fertiggerichte in Zeiten von Corona


Die aktuelle Krise trifft viele Menschen auf unterschiedlichste Weise. Neben den offensichtlichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, vor denen es sich zu schützen gilt, sind viele Personen auch finanziell betroffen. Der bisher normale Gang in den Supermarkt oder ins Restaurant wird somit in dieser Zeit zum Risiko. Die Ernährungsformen vieler Leute haben sich dadurch verändert.

Geändertes Einkaufsverhalten – auch ein Grund für Ernährungswandel?

Da die Häufigkeit von Einkäufen von vielen Menschen drastisch reduziert wurde, wird die Beschaffung von frischen Lebensmitteln unattraktiver. Der Einkauf von Fertiggerichten ist durch meist längere Mindesthaltbarkeitsdaten lukrativ. So genannte Hamsterkäufe benötigen Lebensmittel, die auch längerfristig genießbar sind. Unter Fertiggerichten verstehen sich zumeist lediglich noch aufzuwärmende, bereits fertiggekochte Mahlzeiten. Dazu zählen Tiefkühlkost wie Pizza, aber auch Eintöpfe, Suppen und auch Nudel- oder Reisgerichte. Auch Speisen in Konservendosen, die dadurch eine besondere Langlebigkeit aufweisen, stehen während der Corona-Pandemie auf dem Speiseplan der Menschen.

Selbst kochen ist unbeliebt

Gerade für die Deutschen, die ohnehin als „Kochmuffel“ gelten, sind Fertiggerichte ein in vielerlei Hinsicht gefundenes Fressen. Schließlich müssen gerade in Zeiten der politisch angeordneten Schließung von Schnellrestaurants und dem „Italiener-um-die-Ecke“ diese Besuche von jedem selbst ersetzt werden.

Die Kochkünste der Deutschen sind dabei leider begrenzt. Dies liegt an zweierlei Gründen: Zum einen findet ein Wissenstransfer der Generationen innerhalb der Familien in Bezug auf das Kochen nicht mehr ausreichend statt. Dies grenzt die Fähigkeiten stark ein. Zum anderen genießt die Ernährung zu selten eine hohe Priorität im Alltag der Menschen. Durch hohe Verdichtung von Privatem und Arbeit und die hohe Verfügbarkeit von „schnellem“ Essen gehen hier viele Leute den Weg des geringsten Widerstands.

Es ist also nicht verwunderlich, dass besonders Teigwaren und Reis erhöhten Absatz fanden – Lebensmittel, die lange haltbar und leicht zuzubereiten sind.

Sorgen Kurzarbeit und weniger Freizeitangebot für einen Wandel zum Kochen?

Durch die Pandemie wurden einige Freizeitangebote eingeschränkt und finden daher nicht statt. Zusätzlich wurden Millionen von Deutschen während der Krise in Kurzarbeit geschickt. Beides sorgt für einen Gewinn an freier Zeit.

Neben den eingangs geschilderten, grundsätzlichen Schwierigkeiten der Deutschen in der eigenen Küche entdecken durch die neue, verfügbare Zeit immer mehr das Kochen für sich. Schließlich hat die eigene Ernährung erheblichen Einfluss auf die persönliche Gesundheit. Besonders der massenhafte Kauf von Mehl, Hefe und Dosentomaten deutet darauf hin, dass einige Menschen durchaus gewillt sind, die eigenen Kochkünste zu nutzen und diese gegebenenfalls auch auszubauen. Zumindest Mehl und Hefe lassen darauf schließen, dass viele durchaus versuchen auch selbst zu backen.

In Bezug auf die Gesundheit sind selbstgekochte Speisen häufig deutlich gesünder als die Angebote in der Tiefkühltruhe der Supermärkte. Die langen Haltbarkeiten der Fertiggerichte sind nicht selten auch auf zugesetzte Stoffe zurückzuführen. Ein weiterer Grund können Vorgänge im Herstellungsprozess sein, die die Vitamine in den Speisen drastisch reduzieren. Auch der Besuch von Schnellrestaurants ist häufig entsprechend mit ungesunden Speisen verbunden.

Besonders aus finanzieller Sicht ist der Verzehr eigens gekochter Speisen attraktiv, sofern man nicht großartig exotische und exklusive Zutaten verwendet. Dies kann für viele, gerade solche die durch die Pandemie finanzielle Beeinträchtigungen erleiden müssen, ein weiterer Anreiz sein, der für das eigene Kochen motivieren kann.

Vielleicht sorgt also am Ende das Virus und die damit verbundenen Einschränkungen der Kulinarik für eine bessere und günstigere Ernährung, die den Ursprung in der eigenen Küche findet.